Symposium 2023 (23.–24.06.23 in Wien)

Filmmusik und Filmsound im Kontext ihrer Vermittlung

Call for Papers

Film- und Medienbildung werden im deutschsprachigen Raum zunehmend zu einem festen Bestandteil des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen. Dies geschieht in der Regel als Bestandteil der Curricula der Einzelfächer, insbesondere des Deutsch-, Kunst-, Musik- und Fremdsprachenunterrichts. Dabei fällt auf, dass ein per se multimediales Medium wie der Film und seine audiovisuellen Spielarten im digitalen Raum integrative Analyse- und Interpretationsverfahren erfordern und als Unterrichtsgegenstand an enge Grenzen bei der pädagogischen Vermittlung stoßen. Dennoch ist es mit der Film- und Medienbildung in den letzten Jahren vorangegangen, so die optimistische Bestandsaufnahme in der Einführung in die Filmdidaktik von Anders und Staiger (vgl. 2019, S. 28–30). Partiell finden sich auch fächerübergreifende Ansätze oder fachspezifische Rahmenlehrpläne (vgl. ebd. S. 25, 29f.). Doch liegt der Fokus dabei in der Regel auf visuellen Fragen. Die Bedeutung der multimodalen Wahrnehmung, die Vielzahl an Funktionen und Wirkungsbereichen der unterschiedlichen Anteile der auditiven Ebene kommen häufig zu kurz. Im Musikunterricht hingegen wird nur selten die Interdependenz der Musik mit weiteren filmischen Mitteln wie Dramaturgie, Kameraführung, Bildkadrierung, Farbgestaltung, Montage u.v.a. reflektiert. Das Thema Filmmusik und Filmsound ist ein bezeichnendes Beispiel dafür, dass sich ein abgestimmter interdisziplinärer und fächerübergreifender Ansatz lohnen würde – in schulischen als auch in universitären und anderen Vermittlungskontexten.

Daraus resultieren Fragen, wie Filmmusik und mit ihr verwandte Themen im Unterricht medien- und rezeptionsspezifisch behandelt werden können, welche Lernziele damit verbunden sind und welche Kompetenzen auf Seite der Lernenden gefördert werden sollen. Die Tagung soll ausloten, wie weit die fachspezifische Filmvermittlung Dimensionen anderer Fächer mit berücksichtigen sollte und wo es Anknüpfungspunkte für interdisziplinäres und ggf. künstlerisches Arbeiten geben kann, um Lernen optimal zu gestalten und Gelerntes anzuwenden.

Erwünscht sind daher Beiträge aus der Film-, Medien-, Musik- und Kunstwissenschaft gleichermaßen wie aus der Film-, Medien-, Musik- und Kunstdidaktik, aber auch aus der auf Filmbildung spezialisierten Deutsch- und Fremdsprachendidaktik. Die folgenden Fragen könnten betrachtet und diskutiert werden:

  • Welche Lernziele und Kompetenzen sind im Zusammenhang mit Filmmusik und ihren verwandten digitalen Spielarten in schulischen, außerschulischen und universitären Vermittlungskontexten von Relevanz?
  • Welche Begriffe sind für das Unterrichten von Filmmusik und Filmsound üblich und welche terminologischen Unwägbarkeiten müssen bedacht werden?
  • In welchem Verhältnis sollten theoretische Reflexion und Lehrpraxis im Dienste der Film-Musik-Vermittlung stehen?
  • Auf welche Weise können kulturhistorisches Kontextwissen, Genrespezifik, Traditionen des (film-)musikalischen Vokabulars oder Formen audiovisuellen Erzählens aufgegriffen werden und Lernprozesse bereichern?
  • Welche Implikationen für die Didaktik von Filmmusik und -sound hat das Verständnis von Film als „kulturelles Handlungsfeld“ (vgl. Arbeitskreis Filmbildung 2015: https://lkm.lernnetz.de/index.php/filmbildung.html)?
  • Welche Lernszenarien und handlungsorientierten Verfahren fördern das Verstehen audiovisueller Phänomene?
  • Wie können neben den ästhetischen die gesellschaftspolitischen Dimensionen von Filmmusik und Filmsound vermittelt werden?

Darüber hinaus wird es in gewohnter Weise die Möglichkeit für freie Referate geben (z. B. zu aktuellen Produktionen, zu neuen Blickwinkeln auf scheinbar Altbekanntes oder die Beziehung zwischen Sound Design und Filmmusik uvm.). Studierende und Forscher:innen in einer frühen Phase ihrer wissenschaftlichen Laufbahn seien nachdrücklich zur Einreichung animiert, um ihre Thesen und Projekte in offener und produktiver Atmosphäre vorzustellen und diskutieren zu können.

Die geplante Konferenz ist als Präsenzveranstaltung am 23. und 24. Juni 2023 im Schreyvogelsaal der Wiener Hofburg geplant. Veranstalter ist die Fachdidaktik Deutsch am Institut für Germanistik der Universität Wien in Kooperation mit der Kieler Gesellschaft für Filmmusikforschung (neue Webpräsenz: https://filmmusikforschung.uni-mainz.de). Ein Tagungsbeitrag von 30€, für Studierende 15€ wird erhoben. Reise- und Unterbringungskosten können leider nicht übernommen werden.

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge (20 Minuten), Roundtables sowie andere Formate in Form eines Abstracts (max. 2500 Zeichen, inklusive Leerzeichen) und eines kurzen Lebenslaufs (max. 1000 Zeichen), einzureichen bis zum 15.02.2023 an: filmmusik.germanistik@univie.ac.at. Die Entscheidung über die Annahme der Abstracts, die gemeinsam vom Organisationsteam und der Kieler Gesellschaft für Filmmusikforschung getroffen wird, erfolgt bis Ende März 2023. Eine Publikation der Tagungsbeiträge in der Zeitschrift Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung (peer-reviewed, open access) ist für 2024 geplant.

Mit herzlichen Grüßen,

das Organisationsteam: Henriette Engelke (Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg) und
Dr. Dieter Merlin (Universität Wien),

Kieler Gesellschaft für Filmmusikforschung
& die Redaktion der Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung